Interview

mit Wolfgang Schmidder zum Release von BAD BOY BLUES“


Gerade ist eure erste CD „BAD BOY BLUES“ erschienen. Wie war die Releaseparty?

Das hat Spaß gemacht. Es war voll, und es waren ganz viele Leute da, die wir kennen. 
Freunde, Familie, Bekannte, aber auch viele, die durch unsere Gigs auf uns aufmerksam wurden. 
Ich denke, dass wir uns trotz Grippe wacker geschlagen haben, denn wir haben nach dem Gig äußerst
viele positive Resonanzen erhalten.

Und die Location hat das Übrige dazu beigesteuert. „Zum Pitter“ in der Südstadt 
(Merowinger Straße) ist einfach eine super Adresse für solche Events. 
Tolle Kneipe, tolles Team, klasse Wirt!

Wie lange habt ihr an der CD gearbeitet?

Puh, das kann man so genau gar nicht sagen. Manche Stücke entstehen in wenigen Minuten und sind
fertig. Bei anderen hat man ein geiles Riff, kommt aber nicht wirklich weiter, weil man keinen Refrain
o.ä. findet. Das kann mitunter auch schon mal mehrere Jahrzehnte dauern (lacht).

Im Endeffekt ist „BAD BOY BLUES“ der erste Teil der Quintessenz meines musikalischen Lebens, und
das dauert bereits gut 40 Jahre. Der reine Aufnahmeprozess dauerte drei Tage.

Wie bitte? Nur drei Tage?

Yepps. Ist halt alles auch `ne Preisfrage. War aber alles ganz entspannt in meinem Heimstudio.

Wie habt ihr das denn hingekriegt?

Freitags wurde die ganze Technik aufgebaut. Samstag haben wir Bass, Gitarre und Schlagzeug live
eingespielt. Ist sehr ungewohnt, alles ohne Gesang und Soli zu spielen. Da muss man schon
hochkonzentriert sein und mitdenken, sonst geht man fliegen und die Aufnahme von allen ist dahin.
Aber, wir waren gut vorbereitet. Das hatten wir einen Monat lang geübt. Sonntag kamen ein paar
Gitarren-Overdubs und die Soli dazu und Montag Lead- und Backingvocals. Fertig!

Klingt, als wäre alles reibungslos verlaufen.

Nicht ganz. Die Daten mussten zum Mischen und Mastern an einen Kumpel von uns, der ein
professionelles Studio betreibt, online verschickt werden. Dabei kam es dann zu riesigen Problemen
bei der Datenübermittlung und wir mussten sämtliche Spuren der Aufnahmen - wie in einem Puzzle -
neu sortieren und wiederfinden. Teilweise hatten die Spuren auch unterschiedliche
Geschwindigkeiten. Wir hätten kotzen können. Aber, Ende gut - alles gut. Hat uns halt nur Nerven
und 2 Monate Zeit gekostet.

Wie würdest du denn euren Musikstil beschreiben?

Schwere Frage… Ich finde, dass wir drei schon unser eigenes Ding machen. Ich hab mit Blues
angefangen und bin schließlich über Hard & Heavy auch wieder zu ihm zurückgekehrt.

Jupp (Bass) behauptet ja immer, er käme aus dem Jazz, was ich aber etwas anders sehe. Für mich ist
er ein richtiger 70th‘ Classic Rock-Bassist, der den nötigen Groove und die damals enthaltene
Verspieltheit zu seinem Stil vereint. 

Chris (Drums) kommt aus dem Hard bzw. Heavy Rock und spielt relativ schnörkellos und auf den
Punkt, was als Riesenkompliment an beide gemeint ist. Ich hasse nichts mehr als Bassisten, die
meinen, auf ihrem Instrument Gitarre spielen zu müssen und Drummer, die jedes Break zuknüppeln.
Da finde ich weniger definitiv mehr.

So haben wir halt alle unsere Einflüsse und ich hoffe, dass man diese auch hört.
In meinem Fall sind oder waren es z.B. Gary Moore, Thin Lizzy, ZZ Top, Status Quo, Scorpions, Kiss,
AC/DC, Rose Tattoo, van Halen, Beatles, Stones, aber auch Metallica, Priest, Maiden, Motörhead und
Konsorten. Aber auch die alten Blueser, wie John Lee Hooker, Howlin‘ Wolf, Buddy Guy, Muddy
Waters, Blind Lemon Jefferson usw… Hinzu kommt bei mir noch ein leichter Hang zur Klassik…

Das alles und die Einflüsse der beiden anderen Jungs ergibt halt den Mother’z Boyzz-Sound. Und ich
finde, der hat schon was Eigenes…

Apropros… Wie seid ihr zu eurem Bandnamen gekommen?

(Lacht) Um ehrlich zu sein, nenn ich meine Frau immer „Mutti“, wenn ich sie ärgern will… und es
macht mir tierischen Spaß, sie oft zu ärgern (grinst)… Anfänglich hat sie die Backingvocals bei uns
gesungen und die anderen Jungs sind natürlich sofort drauf eingestiegen.

Somit war‘s eigentlich nur `ne logische Konsequenz.
Es musste allerdings etwas mit M und B sein, da ich das Logo der Vorgängerband „MIRROR BLACK“
gerne übernehmen wollte. Dieses hat, Mitte der 90er, der südafrikanische Cartoonist, Karikaturist
und Grafiker Dean Forster für uns entworfen.

Und du komponierst und textest alle Stücke?

Ja! (grinst)

Sag doch was zu den einzelnen Stücken eurer CD.

Gerne.

Someone else - not me ist ein richtiger Rocker und meine Lebenseinstellung. Ich bin wie ich bin und
da ich nicht anders sein will, versuche ich erst gar nicht, mich zu ändern. Wenn dir das nicht passt,
suchst du dir besser direkt jemand anders.

Won’t you tell me basiert auf einem immer wiederkehrenden Riff und ist im Refrain teilweise
ungewohnt ruhig. Trotzdem straight und groovy. Inhaltlich geht‘s wie so oft um eine Beziehungskiste
und die Frage: Warum haste nix gesagt? Hättste besser mal! Nu is zu spät… (lacht)

My heart is locked: eines meiner Lieblingsstücke. Klassischer Bluesrocker mit `nem Haufen Soli.
Textlich, das Warum mein Herz verschlossen ist und die daraus entstandenen Konsequenzen.

I gotta leave this place: Klassischer Slow Blues mit einer immer wiederkehrenden 
Gitarren-Hookline und einem ausgiebigen Solo. Die Lyrics sind eigentlich das Ergebnis der drei Songs
davor.

Bitchin‘ Girl Blues: Aus dem Leben… ich habe vier Weiber um mich rum (zwei davon pubertieren
grad mehr oder weniger), plus Köter. Der Song behandelt einen ganz normalen Tagesablauf im Hause
Schmidder. Natürlich aus meiner Sicht, mit jeder Menge Humor und Augenzwinkern.

Musikalisch: Akustische Slide Gitarre und Walking Bass.

Havin‘ a beer: Rocker im ZZ Top-Style über meine Hobbys… Grillen mit Freunden, im Whirlpool
sitzen, im Garten rum asseln, Blödsinn labern, Bierchen trinken und natürlich… mit Mutti fummeln (lacht)

Dead Man Walkin‘: Country Blues mit akustischen (6 & 12- String) und elektrischer Gitarre. Absolute
Live-Granate. Es geht darum, dass mir in letzter Zeit immer mehr Leute aus meinem Umfeld erzählen,
was sie nicht alles tun und vorhaben, wenn sie in Rente gehen. Ich frage dann immer: Warum machst
du’s jetzt nicht? Könnte dann zu spät sein… Jetzt lebe ich und nicht gestern und vielleicht auch nicht
morgen oder ich kann’s gesundheitlich nicht mehr. Also warum nicht jetzt. Meist werde ich dann nur
verständnislos angeschaut. Wie ein Alien. Aber ich weiß, dass ich Recht habe. Niemand, den ich
kenne, hat, als er in Rente ging, die Dinge gemacht, von denen er geträumt hat.

Blues for Dad: Sehr emotionale Nummer, die ich für meinen verstorbenen Vater geschrieben habe.
Ich hatte, wie die meisten Jungs, nicht immer das allerbeste Verhältnis zu ihm. Aber wir konnten
alles, was zwischen uns war, noch unter Männern klären und ausräumen. Dafür bin ich dem lieben
Gott auf ewig dankbar. Wenn wir dieses Stück live spielen, schau ich in so manch feuchte Augen und
weiß, dass andere das auch kennen. Musikalisch ist es auch eine Reminiszenz an Gary Moore, den ich
bis heute sehr verehre.

Bad Boy Blues: Der Titel ist Programm. Mein absolutes Lieblingsstück. Meine Stratocaster kratzt und
faucht wie eine Wildkatze und die Talk Box tut ihr Übriges. Straight, böse und auf die 12. So wie ich,
hahaha…

Wie sind eure Zukunftspläne? Wo sieht man euch als nächstes?

Wir (in erster Linie Jupp) pflegen unsere Homepage sehr gewissenhaft und versuchen, sie immer auf
dem neuesten Stand zu halten. Dort sind immer alle aktuellen News und Termine direkt auf der
Startseite. Auch die Galerie wird immer aktualisiert und ausgebaut.

Auch bei Facebook versuche ich immer „up to date“ zu sein.
Unsere Pläne sind, zunächst so viel wie möglich live zu spielen, um unsere CD zu promoten und
natürlich auch zu verkaufen. Wir legen jedoch auch Wert darauf, unserer Fanbase immer was Neues
zu bieten, deshalb werden wir niemals das gleiche Set spielen. Wir können auf über 50 Songs
jederzeit zurückgreifen und uns so auch auf spezielle Gegebenheiten einstellen. Ob nun unplugged,
blueslastig oder rockig… 

Wir hoffen auch, dass wir die CD refinanziert bekommen und noch eine zweite, dritte, vierte usw.
nachlegen können.

Kann man euch auch im Radio hören?

Gute Frage. Frag mal die GEMA. Wir sind als Band so klein, dass es schlichtweg zu teuer wäre, GEMA-
Gebühren zu zahlen. Und die CD würde sich gar nicht refinanzieren. Zudem empfinde ich das
gegenüber Amateurbands, selbst wenn sie damit `ne kleine Mark machen, als Unverschämtheit, und
wenn ich die Gebühren bezahlen würde, fühlte sich das für mich fast wie Unterstützung einer
kriminellen Vereinigung an. Wie kann man für etwas Geld fordern, was das geistige und künstlerische
Eigentum eines anderen ist. So was gibt es nirgendwo auf der Welt. Auch dass man als Amateurband
nicht mal `nen Song covern kann, ohne dass die Herrschaften den Geldbeutel aufhalten, finde ich im
Hinblick auf den Nachwuchs äußerst bedenklich. 

Die gehen da mittlerweile auch ziemlich rigoros gegen kleine Clubs und Kneipen vor, so dass oftmals
darum gebeten wird auf Coverversionen zu verzichten. Bei manchen ist es sogar Bedingung.

Deshalb covern wir auch nicht mehr…
Für große Acts, die davon leben, macht es natürlich Sinn, da die öffentlich-rechtlichen und die
meisten privaten Radiostationen über die GEMA abrechnen. Aber so weit sind wir nicht und wenn
die weiter so einen Scheißdreck senden wie momentan, dann werden wir’s auch nie. Ich will
jedenfalls kein Geld dafür, wenn ein Sender einen Song von „BAD BOY BLUES“ spielen möchte,
sondern ich würde mich artig bedanken.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Spaß mit der Musik.

Sehr gerne. Ganz im Gegenteil, ich habe zu danken.

 

Dieses Interview führte die Kölner Journalistin Violetta Petermann im März 2018